Evangelisch - Lutherische Kirchgemeinde Treuen
St. Bartholomäus

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Predigt

                                          


Das Predigtwort für den Sonntag Quasimodogeniti, 19. April 2020:


Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.                    (Jesaja 40,26-31)

Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Besucherinnen und Besucher unserer Internetseite,

es war ein besonderes Osterfest 2020. Vieles, das sonst so selbstverständlich ist – der Gottesdienstbesuch, gemeinsames Ostereiersuchen, der Besuch bei Verwandten, der Kurzurlaub – all das war dieses Jahr nicht möglich. Gerade die Älteren – Großeltern zumal – haben wohl darunter gelitten, konnten sie doch die geliebten Kinder und Enkelkinder nicht sehen.
2020 war aber auch ein wichtiges Osterfest! Denn trotz all der widrigen Umstände ist das Fest der Auferstehung nicht einfach ausgefallen. Es hat so viele kreative Ideen gegeben, sich trotz mancher Distanz ein frohes Osterfest zu wünschen und zu schenken. Kinder haben mit Straßenkreide der Oma oder dem Opa einen Gruß auf dem Bürgersteig vor der Haustüre hinterlassen, Nachbarn haben sich gegenseitig Überraschungstüten vor den Eingang gestellt und über Gartenzäune hinweg Osterlieder gesungen. Päckchen wurden versendet, Briefe geschrieben, Osterfeuer im Garten entzündet,  … All die kreativen Möglichkeiten, Ostern doch zu feiern, kann man in einer Predigt gar nicht aufzählen. Und das ist doch eine gute Erfahrung, ein Lichtblick in dunklen Zeiten, der berühmte Silberstreif am Horizont.

Diesen Silberstreif am Horizont hat auch Jesaja im Blick. Der Prophet, dessen Reden im Jesajabuch aufgeschrieben sind, nimmt uns mit zu den Israeliten im fernen Babylonien. Im 6. Jahrhundert vor Christus mussten sie ihr Land verlassen, wurden ins Exil verschleppt. Seit 50 Jahren leben sie dort. Und sie fragen: Wo ist eigentlich unser Gott? Hat er uns vergessen? Sind wir ihm ganz egal?
Diese müden Menschen damals in Babylonien waren schon fast so weit, die dort herrschende Meinung zu teilen: Dass es himmlische Mächte gibt, verkörpert in Sonne, Mond und Sternen, funkelnd und fern über ihnen, feurig oder kalt, aber in jedem Fall ganz unberührt von dem Schicksal kleiner Menschen auf der Erde.
Doch so ist es mit ihrem Gott nicht. Dieses hat der Prophet ihnen auszurichten. Er soll sie daran erinnern: Gott war bei ihnen, unten auf der Erde. Gott hat sie aus der Sklaverei in Ägypten herausgeführt, all die Männer, Frauen und Kinder. Gott ist mit ihnen in der Wüste gewesen und später dann im Land der Verheißung. Und Gott ist auch jetzt bei ihnen in dieser Fremde, die sie so müde macht.
Und so, wie Gott sie geführt hat, vollzählig, und sie mit Namen kennt, so macht er es auch mit Sonne, Mond und Sternen. Gott führt sie heraus und gibt ihnen Namen. Es gibt keine fremden himmlischen Mächte, funkelnd und fern, kalt und unberührt von den kleinen Schicksalen der Menschen. Es gibt nur Gott. „Hebt eure Augen in die Höhe und seht!“ Wo du auch hinblickst, da ist Gott, fern und nah zugleich und immer da.
„Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt.“ (Jesaja 40,28). „Weißt du nicht?“ Auf Hebräisch heißt das Halo? Und man sollte es übersetzen mit „Hallo? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?“. Das ist ein Hallo-Wach-Ruf an die Müden zu allen Zeiten. Gott wird nicht müde noch matt.

Aber Menschen werden es schon. Ein Seufzen geht durch das ganze Land. Vieles weiß man noch nicht, aber eines ist schon sicher: Es gibt noch keine Rückkehr in die alten Verhältnisse. Die Einschränkungen gelten weiter, einige wenige Lockerungen sind unter Auflagen möglich. Die Aussichten sind insgesamt eher verhalten. Wie werden wir uns wiederfinden in dem großen „Danach“, für das es kein Datum gibt und keine Frist, die wir noch auszuharren hätten?
Nun sollte man Notlagen nicht miteinander vergleichen. Das wird denjenigen, die darunter leiden, nicht gerecht. Aber so unterschiedlich Krisen sein mögen, so haben sie doch eines gemeinsam: Sie gehen vorüber. Es mögen Tage, Wochen, ja auch Jahre vergehen, aber auch das Leid hat ein Ablaufdatum.
Die Frage ist, was uns Mut und Hoffnung geben kann, in der Krise nicht zu verzweifeln, nicht in Lethargie und Selbstmitleid zu verfallen, und was uns hilft, da hindurchzugehen. Und da sind die Worte des Propheten sehr wohl ein Anhaltspunkt auch für uns. Sie halten uns vor Augen, dass es keinen Ort und keine Zeit gibt, wo Gott nicht ist. Der Mensch mag sich von ihm abwenden, doch er selbst lässt seine Geschöpfe nicht im Stich.
Darum haben die Worte Jesajas ihre Gültigkeit nicht verloren – weil Gott damals und heute derselbe war und ist und auch morgen derselbe bleiben wird! Wir sind sicher nicht gefeit vor den Fallstricken des Lebens. Und sicher brauchen wir jetzt eine gehörige Portion Geduld. Aber wir sind auf dieser Welt getragen von einer Liebe, die niemanden verloren gibt, zu keiner Zeit und an keinem Ort.
„Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt.“

Wo solche Worte durchbrechen, da ahnt man etwas von Gottes Trost als schöpferischer Kraft. Da beginnt man sich zu wundern und zu staunen und sich zu fragen: Wer hätte wirklich erwartet, dass das unmöglich Geglaubte geschieht?! Wer hätte wirklich erwartet, dass wir heimkehren werden zu unseren Wurzeln? – Doch wo solche Worte durchbrechen, da spürt man auch, dass Gottes schöpferische Kraft ausgreifen will in die Zukunft. Die Zukunft seines Trostes, die Zukunft allen Trostes will sie schaffen. Die Ahnung davon hat er den Propheten auf die Zunge gelegt: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft.“
Was wird unter dieser Verheißung bei uns aufbrechen? Welches Exil dürfen wir verlassen? Was ahnen wir jetzt noch nicht? Unter den Verheißungsworten des Jesaja dürfen wir gespannt sein.

Ich sehe neben den vielen (ermüdenden) Fragen so viel Kraft, an jedem Tag neu.
Am Anfang haben wir gedacht, wie es gehen soll, wenn Gottesdienste und Veranstaltungen in den Gemeinden lange Zeit nicht stattfinden können. Und dann gab es so viele Ideen und eine große Kreativität, um Gottes Wort auch unter diesen besonderen Umständen zu verkündigen. Wir haben neue Kraft bekommen. Uns sind Flügel gewachsen. Und wir vergessen auch nicht, dass wir von unserer eigenen Not absehen müssen und sie ins Verhältnis setzen zu anderer, viel größerer Not. Da müssen wir noch viel wacher werden.
Wie werden wir uns wiederfinden in dem großen „Danach“, wie werden wir einmal auf diese Zeit zurücksehen, als wir fremd waren in unserem eigenen Leben? Ich glaube, wir werden uns nicht an die Müdigkeit erinnern. Sondern an die Kraft, an die Flügel. Was wir tragen konnten. Und wie getragen wir sind. Amen.


Lied "Du hast mir so oft neuen Mut gegeben (Ich danke Dir, mein Gott)"

1) Du hast mir so oft neuen Mut gegeben,
wenn ich am Boden lag, hobst du mich auf.
Ich schöpfte wieder Kraft zum Weiterleben.
Du gabst mir Hoffnung, und ich gab nicht auf.

Ref.: Ich danke dir, mein Gott.
Ich lobe dich, mein Gott.
Wer dir vertraut, dem gibst du neue Kraft.

2) Wenn sich vor meinen Augen alles drehte,
dann war dein Wort ein fester Halt für mich.
Du hörtest mich, wenn ich um Hilfe flehte,
und Wege aus der Angst fand ich durch dich.

3) Du trugst mich auch, wenn Traurigkeit mich drückte,
und wischtest mir die Tränen vom Gesicht.
Du warst mein Trost, wenn mir kein Schritt mehr glückte.
In meiner Nacht erkannte ich dein Licht.

Text: Theo Lehmann (1990), Jörg Swoboda (1990)
Melodie: Jörg Swoboda (1990)

Gebet
(zu Psalm 116, von Kathrin Oxen)

Gott, es ist uns lieb, dass du unsere Stimmen und unser Flehen hörst.
Du neigst uns dein Ohr zu, darum rufen wir zu dir, unser Leben lang.

Zu dir rufen in diesen Tagen die Kleinen, die Kinder, denen vieles fehlt, Schule und Kita, Möglichkeit zum Spielen draußen, ihre Großeltern.
Wir bitten dich besonders für die Kinder und Jugendlichen, die in schwierigen Verhältnissen leben müssen, die statt Unterstützung und Liebe Vernachlässigung und Gewalt erfahren.
Wir bitten dich für die Kinder und Jugendlichen in den Slums und den Lagern, für die vielen, um die sich keiner sorgt und kümmert, für ihren Jammer und ihre Not.

Zu dir rufen in diesen Tagen die Großen, die Erwachsenen, auf denen Last und Verantwortung ruht, die stark für andere sein müssen.
Wir bitten dich für die Menschen in den Behörden und Regierungen, die Entscheidungen treffen und Maßnahmen anordnen müssen; für alle, die für die Kranken da sind und sich um die Schwachen kümmern.
Sie sind nicht allein. Du behütest die Unmündigen, Gott, und hilfst denen, die schwach sind und du bist für die da, die es dir nachtun.

Zu dir rufen in diesen Tagen die Alten, die zur Einsamkeit gezwungen sind, denen Besuche und Nähe fehlen.
Wir bitten dich besonders für die, die nicht mehr verstehen können, was gerade geschieht, für die Demenzkranken und für die Sterbenden.
Errette du ihre Seelen vom Tode, ihre Augen von den Tränen, ihren Fuß vom Gleiten. Umhülle du sie mit deiner Liebe.

Gott, es ist uns lieb, dass du unsere Stimmen und unser Flehen hörst.
Du neigst uns dein Ohr zu, darum rufen wir zu dir, unser Leben lang.
Wir werden wieder wandeln im Land der Lebendigen. Lass uns darauf vertrauen. Amen.
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