Evangelisch - Lutherische Kirchgemeinde Treuen
St. Bartholomäus

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Predigt

                                          


Das Predigtwort für den Sonntag Judika:

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Liebe Gemeinde,
liebe Besucherinnen und Besucher unserer Internetseite,

nächste Woche wird mir bestimmt wohler sein. Nächste Woche, wenn das Gerüst in unserer Kirche abgebaut ist und ich die neu gemalte Decke von unten richtig sehen kann. Die gut auf einander abgestimmten Farben und die Goldtupfer werden meiner Seele und meinen Augen gut tun. Sie werden in diese Wochen der aufgezwungenen Abstinenz einen Lichtblick bringen.
Nicht die Abstinenz von Alkohol oder die Enthaltung von sonstigen Dingen mit Suchtpotential meine ich, die viele in den Wochen der Passionszeit freiwillig und mühelos schaffen. Ich meine die Kirchen-Abstinenz. Die wird uns in Treuen nicht nur durch eine schmutzige Baustelle aufgezwungen, sondern auch durch das, was jetzt alle Kirchgänger erleiden müssen.
Die Kirchen müssen verschlossen bleiben in diesen Tagen, Gottesdienste können nicht stattfinden, auch wenn das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Trost so groß ist wie lange nicht. Wir Pfarrerinnen und Pfarrer erleben auch sonst einmal, dass die Kirchen leer sind oder jedenfalls leerer, als wir es uns wünschen würden. Aber sie nun auf unbestimmte Zeit ganz leer zu wissen, auch in der Karwoche und zu Ostern, ist ein besonderer und so noch nicht gekannter Schmerz. Wir teilen ihn mit all denen, für die der Besuch einer Kirche oder eines Gottesdienstes gerade jetzt ein Bedürfnis wäre.
In den meisten Kirchen findet sich die Gestalt des Gekreuzigten, mittelalterlich oder modern, sehr konkret oder abstrakt. Wir lassen ihn allein in diesen Wochen. Wir dürfen ihn nicht besuchen, uns nicht in den Bänken oder noch näher bei ihm zum Abendmahl versammeln. Er ist drinnen, allein. Wir müssen draußen bleiben.
Was gibt es denn bloß für einen Trost in diesen Tagen? Ich finde Trost in den Worten aus dem Hebräerbrief:

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Jesus hat draußen vor dem Tor gelitten. Der Ort seiner Hinrichtung befand sich, wie üblich, außerhalb der Mauern der Stadt Jerusalem. Aus der Geschichte seines Leidens und Sterbens kennen wir den Weg, den er mit dem Kreuz zurückgelegt hat, die Vorgänge, die sich bei der Kreuzigung abgespielt haben, das Handwerk einer Hinrichtung nach römischem Recht. Und wir wissen, dass nur wenige seiner Jüngerinnen und Jünger ihn auf diesem letzten Weg begleitet haben. Viele sind gar nicht erst herausgekommen aus der Stadt. Von einigen wird in den Evangelien erzählt, dass sie nahe bei Jesus, unter dem Kreuz stehen. Die meisten bleiben aber in einigem Abstand. „Von ferne sahen sie zu“, heißt es übereinstimmend, so als hielten sie weit mehr als die eineinhalb Meter Sicherheitsabstand ein, die uns in diesen Zeiten auferlegt sind.
Was für ein Trost kann aus diesem einsamen Tod kommen? Manche, vor allem Theologen, sagen ja sowieso schon, man sollte diese ganze Sache mit der Kreuzigung nicht immer so in den Mittelpunkt stellen, es sei doch einfach eine schreckliche Geschichte, verstörend und wenig einladend zum christlichen Glauben.
In den Zeiten einer Krise, wie wir sie gerade erleben, tritt hervor, welche Kraft in dem Bild des verlassenen Gekreuzigten steckt. Und dass wir uns in unseren Kirchen diesen Gekreuzigten nicht deswegen vor Augen stellen, weil uns ein kranker Geist dazu treibt.
Denn Jesus kann das, was so schwer ist. Er hat Angst und Verlassenheit ausgehalten, er stirbt draußen vor dem Tor, verlassen von Menschen, verlassen von Gott. Alles, was wir in diesen Tagen an Angst und Verlassenheit erleben, kennt er. In seinem Gesicht – gequält, verkrampft, geduldig – erkennen wir uns wieder wie in einem Spiegel, vielleicht mehr als jemals zuvor.
Hinausgehen zu Jesus vor das Lager, seine Schmach tragen – in eine Kirche zu gehen, sich dort dem Anblick des Gekreuzigten aussetzen, das ist nicht möglich. Doch wir sind Jesus trotzdem nah, wir teilen mit ihm das Gefühl der Angst und Verlassenheit, die Erfahrung, dass gerade niemand helfen kann und wir allein hindurch müssen.
Jesus ist da. Er ist allein in unseren leeren Kirchen, so allein, wie er allein gewesen ist auf Golgatha. Damit wir jemanden haben, an den wir uns halten können. Einen, der weiß, wie es uns geht. Mit dem es allen Menschen auch in Corona-Zeiten wohl sein kann.

Psalm 43
Gott, schaffe mir Recht
und führe meine Sache wider das unheilige Volk
und errette mich von den falschen und bösen Leuten!
Denn du bist der Gott meiner Stärke:
Warum hast du mich verstoßen?
Warum muss ich so traurig gehen,
wenn mein Feind mich dränget?
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten
und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,
dass ich hineingehe zum Altar Gottes,
zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

EG 97 Holz auf Jesu Schulter

1. Holz auf Jesu Schulter,
von der Welt verflucht,
ward zum Baum des Lebens
und bringt gute Frucht.
Kyrie eleison,
sieh, wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten,
lass uns auferstehn.

2. Wollen wir Gott bitten,
daß auf unsrer Fahrt
Friede unsre Herzen
und die Welt bewahrt.
Kyrie eleison,
sieh, wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten,
lass uns auferstehn.

3. Denn die Erde klagt uns
an bei Tag und Nacht.
Doch der Himmel sagt uns:
Alles ist vollbracht!
Kyrie eleison,
sieh, wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten,
lass uns auferstehn.

4. Wollen wir Gott loben,
leben aus dem Licht.
Streng ist seine Güte,
gnädig sein Gericht.
Kyrie eleison,
sieh, wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten,
lass uns auferstehn.

5. Denn die Erde jagt uns
auf den Abgrund zu.
Doch der Himmel fragt uns:
Warum zweifelst du?
Kyrie eleison,
sieh, wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten,
lass uns auferstehn.

6. Hart auf deiner Schulter
lag das Kreuz, o Herr,
ward zum Baum des Lebens,
ist von Früchten schwer.
Kyrie eleison,
sieh, wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten,
lass uns auferstehn.

Text: Jürgen Henkys (1975) 1977 nach dem niederländischen »Met de boom des levens« von Willem Barnard 1963

Gebet
Herr Jesus Christus, in ferner Zeit bist du nach Golgatha gegangen,
du hast Einsamkeit erduldet und zu Leiden und Sterben Ja gesagt.
Diese Zeit kommt uns näher, als es uns lieb ist.
Wir erfahren Angst und Verlassenheit wie du.
Bleib uns nahe.

Von Gott und den Menschen verlassen stirbst du am Kreuz, gibst dein Leben für uns.
Diese Zeit bringt uns die Einsamkeit näher, aber auch die liebevolle Zuwendung mit allen Mitteln, die uns möglich sind.
Wir bitten Dich: Stärke die, die jetzt stark sind für andere,
komm zu allen, die durchtragen und aushalten helfen,
die Kranke pflegen und Sterbende begleiten,
sich um andere kümmern.

Du stirbst draußen vor dem Tor
und du stirbst mitten in der Welt, Jesus.
So lebst du vor, was wirklich trägt und hält.
Diese Zeit will uns auf unsere eigene Not zurückwerfen.
Lass uns trotz allem die vielen Orte des Leidens auf dieser Welt nicht vergessen.
Lass uns verstehen, wie du uns allen nahe bist, damit wir dir vertrauen zu deinem Lob und zu unserem Heil. Amen.

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