Evangelisch - Lutherische Kirchgemeinde Treuen
St. Bartholomäus

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Besinnliches

Andacht Dezember 2012
 

Liebe Leserinnen und Leser!

Advent = Zeit für besinnliche Stunden: Gemütliches Feiern im Betrieb oder im Verein, Weihnachtsbäckerei und Nüsse knacken?

Oder vielmehr für viele: Advent = Hektische Zeit der Vorbereitungen, Geschenkekauf und Hausputz; dazu noch Hochsaison bei der Arbeit?

Wie auch immer: Der Advent ist eine Zeit voll Spannung und Erwartung. Zum Ende des Jahres soll alles gut werden. Oder was erwarten wir?

Viele unter uns, die die Adventszeit bewusst erleben und gestalten wollen, sagen: „Wir warten auf das Kommen Jesu.“ Klar, dies ist das Eigentliche, worum es geht, und doch bleibt es eigenartig blass. Worauf warten wir denn, wenn wir sagen: Wir warten auf das Kommen Jesu?

Selbst ein Blick auf die Adventslieder im Gesangbuch zeigt: Es ist gar nicht so eindeutig, was mit dem Kommen Jesu gemeint ist. Es hat mindestens drei Richtungen: die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. In einem relativ unbekannten Adventslied kommen gleich alle drei Aspekte vor (EG 5):

„Gottes Sohn ist kommen, uns allen zu Frommen hier auf diese Erden in armen Gebärden.“ Das Warten richtet sich zum einen in die Vergangenheit. Wir erinnern uns an das Kommen Jesu vor 2.000 Jahren. Im Stall von Betlehem ist das Wunder geschehen, das Gott in seiner Liebe Mensch geworden ist. Was wir Weihnachten feiern, bereiten wir im Advent vor.

„Er kommt auch noch heute und lehret die Leute, wie sie sich von Sünden zur Buß sollen wenden.“ Die Geburt vor 2.000 Jahren wäre ein wertloses Datum der Geschichte, wenn sie nicht für unsere Gegenwart Bedeutung hätte. So erwarten wir das Kommen Jesu in unser Leben: Dass er uns mit seiner Liebe berührt, dass wir verwandelt werden von der Menschenfreundlichkeit Gottes.

„Wird von dannen kommen, wie dann wird vernommen, wenn die Toten werden erstehn von der Erden.“ Die Erwartung richtet sich schließlich auch in die Zukunft. Gemeinsam mit unseren jüdischen Brüdern und Schwestern erwarten wir den Retter am Ende der Zeiten. Als Christen glauben wir, dass es Jesus sein wird, der schon gekommen ist und der auch jetzt im Geist bei uns ist. Advent heißt dann auch, dass wir uns vorbereiten auf das Heil, das Gott uns einmal schenken wird.

Gerade mit dem letzten Aspekt, der Hoffnung auf die Zukunft, weist die Adventszeit weit über Weihnachten hinaus. Advent ist mehr als die Vorbereitung auf Weihnachten, Advent wird zu einer Lebenshaltung: Leben in der Erwartung auf eine neue Welt, in der uns das Dunkel nicht mehr drücken wird.

Vielleicht ist es ja das, was unserer Zeit am meisten fehlt: Das Leben voll Erwartung auf ein Besseres, ein Leben voll Sehnsucht nach dem Heil Gottes. Vielleicht stürzen wir uns ja in die Hektik oder das Feiern, weil uns das Warten und Erwarten abhandengekommen ist. Wer hoffen kann, der kennt den Schmerz über das Dunkel der Gegenwart, aber weiß auch darum, wie die Sehnsucht das Herz weit machen kann.

Ich wünsche mir im Advent die Zeit, immer wieder eine Kerze anzuzünden und zu sehen, wie das Licht die Dunkelheit vertreibt.

 

Ich grüße Sie im Namen der Mitarbeiter und Kirchenvorsteher.

Möge das Licht, das Sie zu Weihnachten erfüllt,

Ihnen nach den Feiertagen nicht wieder verloren gehen,

sondern Herz und Seele und alle Ihre Wege

auch im kommenden Jahr durchwärmen und erleuchten.

Ihr Pfarrer Konnerth
 


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