Evangelisch - Lutherische Kirchgemeinde Treuen
St. Bartholomäus

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Dezember 2020 / 2021 Januar

Dezember 2020 / Januar 2021
 

Predigt zum 3. Sonntag im Advent, 13. Dezember 2020

Text: Lukas 1, 67 - 79


Liebe Leserinnen und Leser!

so kann es klingen, wenn einer den Lockdown hinter sich hat. Da ist das Herz voll und der Mund geht davon über: Gelobt sei der Herr!
Unser Predigtwort erzählt von einem Menschen, der einen Lockdown ganz eigener Art erlebt hat: Zacharias, der Vater von Johannes dem Täufer.
Das Evangelium des Lukas erzählt uns ausführlich die Vorgeschichte der Weihnachtsnacht, der Geburt Jesu. Denn die Geburt des Messias, des Erlösers, des lang erwarteten Heilands, ist eingebettet in eine lange Geschichte der Hoffnung und des Wartens, sie reicht weit in die Geschichte des Volkes Israel hinein, die uns im Alten Testament überliefert ist.
Zacharias und Elisabeth hatten sich immer Kinder gewünscht, aber sie konnten keine bekommen. Unfruchtbar, lautete die Diagnose, und daran war nichts zu rütteln, nicht in ihrer Zeit. Irgendwann waren sie zudem beide aus dem Alter heraus, in dem man Kinder kriegt. Keine Zukunft und eine Schmach dazu, die sich mit jedem Jahr tiefer in sie hineingefressen hat. Keine Gebete haben geholfen. Nichts ist passiert. Trotzdem tut Zacharias seinen Dienst im Tempel treu. Er gehört traditionell zu einer der wenigen Familien, denen das vorbehalten ist. Als dann an einem ganz normalen Tag am Altar des Herrn völlig unvermittelt ein Engel neben ihm steht und ihm einen Sohn verheißt, da glaubt er der Botschaft nicht, natürlich nicht. Das Leben hat ihn etwas Anderes gelehrt. "Gib mir ein Zeichen, dass ich dir glauben kann", sagt er. Zacharias bekommt ein Zeichen. Aber nicht so, wie er sich das gewünscht hat. Zacharias verschlägt es nicht einfach die Sprache, wie das wohl fast jedem ergehen würde, wenn plötzlich ein Engel neben ihm stünde. Zacharias verstummt, verstummt dauerhaft. Als er dann draußen vor dem Tempel für die Menge beten will, vermag er nur noch die Arme zu heben.
Zacharias wird quasi in einen persönlichen Lockdown geschickt. Er kann die frohe Botschaft, die er gehört hat, nicht verkündigen. Dabei betrifft sie sowohl sein persönliches Leben als auch das ganze Volk, ja die ganze Welt!

Aber wenig später wird Elisabeth tatsächlich schwanger und ist überglücklich. Freilich wäre sie noch glücklicher, wenn sie wüsste, was für eine besondere Schwangerschaft das ist – auch sie ist in einer Art Lockdown. Das Leben der beiden ist gedämpft. Beide ziehen sich ins Gebirge zurück, um mit der späten Schwangerschaft nicht zum Gespött der Leute zu werden.
Allerdings erfährt Elisabeth dann doch, was geschieht: Sie bekommt nämlich Besuch von ihrer Cousine Maria, die damals noch ein ganz junges Mädchen war, unverheiratet, aber ebenfalls schwanger. Und als die beiden aufeinandertreffen, rührt sich in Elisabeths Mutterleib das Kind und der Heilige Geist kommt über sie. Sie erkennt, was geschieht: Maria trägt den Erlöser – sie trägt den Propheten, der ihn ankündigt. Aber auch das geschieht im Stillen, niemand bekommt davon etwas mit: Maria bleibt drei Monate bei ihr im Rückzug. Beide Frauen loben Gott und freuen sich – ganz für sich.
Nun kommt die Zeit der Geburt, und Elisabeth bekommt einen Jungen. Die Menschen um sie herum freuen sich und fragen: Wie soll er heißen? Elisabeth antwortet: Johannes! Alle wundern sich: Der Name ist in eurer Familie nicht üblich! Fragen wir den Vater. Der nun kann immer noch nicht reden, und so benutzt er ein anderes Medium, er schreibt auf eine kleine Tafel: Der Junge soll Johannes heißen.
Und nun öffnet sich endlich wieder der Mund des Zacharias. Aber anstatt eine lange Erklärung abzugeben, fängt er an zu singen: Er singt ein Gotteslob. Gott hat besucht und erlöst sein Volk, er löst seine Versprechen ein, die Zeit des Heils ist gekommen! Und er begrüßt seinen Sohn, nicht allein aus Vaterfreude, sondern weil er weiß: Jetzt geht in der Finsternis die Sonne auf, jetzt wächst aus dem vertrockneten Baum ein neues Reis, ein neuer Zweig, jetzt erscheint die Barmherzigkeit Gottes!
Die Zeit des Lockdown ist zu Ende, die Zeit der öffentlichen Rede beginnt, nun können auch alle wissen, was es mit der Schwangerschaft der Maria auf sich hat. Auf eine Zeit des Schweigens, der Stille, der Kontaktarmut folgt eine Zeit des Jubels und der Hoffnung, eine Zeit des Neubeginnes mitten im Alten. Sechs Monate später wird Jesus geboren, und die Geschichte nimmt ihren bekannten Lauf.
Ein Lockdown, liebe Gemeinde, muss keine verlorene Zeit sein. Ein Lockdown, so hart er ist, kann auch eine Zeit der Besinnung sein, eine Zeit, in der sich die Dinge neu sortieren, eine Zeit, in der wir neu und intensiv darüber nachdenken können, was Erlösung, Heil und Gnade bedeuten, ein Lockdown muss keine Zeit der Trübsal sein, keine leere Zeit, sondern gefüllte Zeit.

In der Tradition der Kirche war die Adventszeit, als sie noch nicht die „Vorweihnachtszeit“ mit ihrem Jubel und Trubel war, eine Fastenzeit, eine Zeit des inszenierten „Lockdowns“, des Innehaltens und der Besinnung, nichts, vor dem wir uns als Kirche fürchten müssen.

Nun liegen die Dinge heute anders, es gibt durchaus Grund, sich zu fürchten, und der Lockdown, der uns blüht, kommt nicht von Gott.
Aber die Geschichte des Zacharias kann uns Mut machen, auch das durchzustehen und quasi als eine Zeit der Schwangerschaft zu verstehen, an deren Ende die Geburt des Lichtes mitten in der Finsternis steht. Das mag uns eine Hilfe sein, durchzustehen, was da noch kommen wird, und mit den Mitteln, die wir haben, mit aller Vorsicht, aller Besonnenheit, aller Verantwortung auch weiterhin zu verkündigen, zu vermelden, zu singen, was Gott an uns tut.
Wie Zacharias, der, weil er schweigen musste, es eben auf ein Täfelchen schrieb.
Es gibt keinen Grund, die Hoffnung zu verlieren, nur weil es dieses Jahr nicht so ist wie immer. Und wer weiß: Vielleicht lernen wir Weihnachten und das Wunder, um das es geht, ganz neu kennen: Gott wird Mensch und nimmt, in der Zeit der Kontaktverbote, Kontakt mit uns auf.
Das mag uns ein Trost und eine Stärkung sein in dieser ganz besonderen Adventszeit. Nehmen wir sie an als Herausforderung, unseren christlichen Glauben gerade darin zu bewähren, dass wir in besonderer Weise Verantwortung übernehmen, und so ein Zeichen des Lichtes werden, und wenn wir nicht singen können, so können wir doch innerlich frohlocken: „Gelobt sei der Herr, der Gott Israels. Denn er hat besucht und erlöst sein Volk.“

Ihr Pfarrer Stefan Konnerth



Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“

Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!“    Psalm 4, 7

 

Liebe Leserinnen und Leser !

„Wird es nicht ein trauriges Weihnachten sein dieses Jahr?“ In den Tagen zu Beginn des November-Teil-Lockdowns, in denen ich diese Andacht schreibe, ist vieles aufgrund des Coronavirus unsicher, was für uns selbstverständlich jedes Jahr zur Adventszeit und zum Weihnachtsfest dazugehört: Wird es (k)ein Krippenspiel geben in Eich? Wird unsere Christvesper schlecht besucht sein aus Angst vor Ansteckungen? Werden wir die Großeltern nicht besuchen dürfen, weil sie zur Risikogruppe gehören? ...

„Viele sagen: ‚Wer wird uns Gutes sehen lassen?‘“, lautet die harte Feststellung des Beters. Wer so redet, resigniert. Der steckt voller Sorge, wie alles werden soll. Der zweifelt an, ob Gott es tatsächlich gut meint mit uns und kann sich das aufgrund der aktuellen Lage nicht vorstellen.

Aber zum Glück bleibt der Beter nicht dabei stehen. Er bittet Gott inständig: „Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!“. Er vertraut gegen den Augenschein. Er gibt Seinen Gott nicht auf. Im Vertrauen auf Seine Geborgenheit in Gott kann ihn letztlich nichts beunruhigen. Gott ist für ihn ein Raum von Friede und Ruhe.

Ich wünsche Ihnen in diesen Wochen, dass Sie trotz Corona immer wieder solche Phasen von Friede und Ruhe bewusst wahrnehmen können. Und wenn es brenzlig um Sie steht oder Sie nicht weiter wissen, dann lasst uns Gott bitten, hinzuschauen auf uns und Sein Licht leuchten zu lassen. Wenn sich Sein Angesicht uns zuwendet und wir wieder Gemeinschaft mit unserem Gott spüren, dann kann trotzdem Advent und Weihnachten werden – trotz Corona …

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und dann einen guten Jahreswechsel und ein gutes neues Jahr 2021 wünscht Ihnen -auch im Namen aller Mitarbeiter unserer Kirchgemeinde,

Ihr Pfarrer Jan Peter Becker



 
Januar 2020
 
Liebe Leserinnen und Leser,
ein neues Jahr hat begonnen. Das Jahr 2020 nach Christi Geburt. Oder sollte ich vielleicht
besser sagen: das Jahr 2020 „unserer Zeitrechnung“, abgekürzt u.Z.? Auf diese
Formulierung stoße ich nämlich in letzter Zeit öfter. Ich finde sie in Zeitungsartikeln,
vermehrt aber auch in Büchern. Da wird der christliche Bezug bewusst vermieden.
Unsere Sprache ist immer auch ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Viele
Menschen halten den christlichen Glauben heute für erledigt. Das tun Sie sicher nicht. Bei
mir ist es auch nicht der Fall. Das heißt nicht, dass ich mir meines Glaubens immer ganz
sicher wäre. Ich habe ihn nicht in der Tasche und bin zu keinem Zeitpunkt vor Zweifeln
gefeit.
Die Jahreslosung bringt es auf den Punkt. Sie ist einer Szene aus dem Markusevangelium
entnommen und lautet: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Der nähere Zusammenhang
ist rasch erzählt. Der Vater eines an Epilepsie erkrankten Jungen bringt sein Kind zu Jesus,
weil diesem der Ruf eines Wunderheilers vorauseilt. Vielleicht, so hofft er, wird Jesus
gelingen, was auch den besten Ärzten bisher nicht gelungen ist. Vielleicht ist der Mann aus
Nazareth ja wirklich von Gott gesandt. Aber sicher ist sich der Vater nicht. Und so sagt er,
hin- und hergerissen zwischen Vertrauen und Zweifel: „Ich glaube; hilf meinem
Unglauben!“
Zweierlei finde ich an dem Vater bemerkenswert. Da ist zum einen die innige Liebe zu
seinem kranken Kind. Nichts wünscht er sehnlicher, als dass der Junge gesund wird. Wer
unter Ihnen selbst Kinder großgezogen hat, kann seinen Wunsch vermutlich gut
nachvollziehen. Aber noch etwas anderes fällt mir auf. Der Vater verbirgt gegenüber Jesus
seine Vorbehalte und Zweifel nicht. Er ist grundehrlich und zeigt seine Zerrissenheit. Diese
Ehrlichkeit wird von Jesus anerkannt. Am Ende der Geschichte ist das Kind geheilt.
Mich tröstet diese Geschichte. Denn aus ihr lerne ich: Bei Gott sind Zweifel erlaubt. Ich
muss mich vor Gott nicht stärker geben, als ich tatsächlich bin. Ich darf zu meinen Zweifeln
und meiner inneren Armut stehen, wann immer mir die Last des Lebens zu schaffen macht
und mich an meine persönlichen Grenzen bringt.
Erledigt, wie manche Zeitgenossen behaupten, ist der christliche Glaube keineswegs. Aber
einfach zu haben und zu bewahren ist er auch nicht. Der bedeutende katholische Theologe
Karl Rahner (1904–1984) hat einmal gesagt: „Glauben heißt: die Unbegreiflichkeit Gottes
ein Leben lang aushalten.“ Die Kraft dazu aber bringe ich nur dann auf, wenn ich Gott
immer wieder um Hilfe und Stärkung im Glauben bitte. Und um die Kraft bitte, ihm zu
vertrauen. Das gilt auch im neuen Jahr. Und darum begehe ich dieses Jahr ganz bewusst
als das Jahr 2020 nach Christi Geburt.
Und ich wünsche Ihnen, dass es auch für Sie persönlich ein gutes und von ihm gesegnetes
Jahr werde.
Ich grüße Sie herzlich auch im Namen des Kirchenvorstands und der Mitarbeiter
Ihr Pfarrer Konnerth
 
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