Evangelisch - Lutherische Kirchgemeinde Treuen
St. Bartholomäus

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Besinnliches

September 2019
 
Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und
nähme doch Schaden an seiner Seele?                  Matthäus 16, 26

Bedenkt man, dass diese Worte ursprünglich zu einer Gruppe von erwerbslosen
ehemaligen Arbeitern, Fischern usw. gesprochen wurden, die mit einem Wanderprediger
umherzogen, stellt sich zwangsläufig die Frage: Steht bei solchen Leuten der Gewinn der
ganzen Welt auf der Tagesordnung? Wohl eher nicht. Aber in der neuen
Lebensgemeinschaft in der Urgemeinde, auch wenn sie aus heutiger Sicht materiell eher
bescheiden zu denken ist, empfand man das alltägliche Dasein trotz allem hundertmal
besser als zuvor. Gleichheit und bedingungslose Liebespraxis untereinander bestimmten
ihre neue Situation. Und ihre Hoffnung galt der Wiederkehr des Sohnes Gottes, der von
den Mächtigen gekreuzigt, danach aber von Gott auferweckt und ins Recht gesetzt wurde
– die Hoffnung also auf einen neuen Weltherrscher.
Wie sieht es heute aus? In unseren Tagen wird die Welt vornehmlich als etwas angesehen,
aus dem sich Gewinn ziehen lässt – als Beispiel seien hier nur mal die Rohstoffe genannt.
Allein dazu ist sie offenbar gemacht. Wer sie entsprechend behandelt, wird mit Erfolg
belohnt, gehört zu den „Winnern“. Und die Globalisierung hilft ihm, dieses Ziel zu
erreichen.
Wirklich? Was bringt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt in einen globalen Markt
umwandelt? Wachstum, Wohlstand, Einfluss, Macht – das wären die gängigen Antworten,
nimmt man den Gewinnerstandpunkt ein.
Doch die von Jesus geprägte Haltung, die sich in seinen Gemeinden, in seiner Kirche
abbilden sollte, betrachtet zum Glück die Welt aus der Perspektive der Verlierer, der
„Loser“, der Leidenden. Sie erinnert daran, dass da, wo gesiegt wird, auch unterworfen
wird; dass von dort, wohin heute Waffen exportiert werden, morgen Flüchtlingsströme
aus Kriegen resultieren; dass dort, wo heute seltene Erden abgebaut werden, morgen
Korruption und Hunger erwachsen. Daher sollten wir in der Nachfolge Jesu stets fragen:
Wer sind die Verlierer, die in der globalisierten Welt den Gewinn(l)ern gegenüberstehen?
Jesus war der Meinung, dass die „Winner“ sich selbst beschädigen, sich kaputtmachen,
sich im wörtlichen Sinn kaputtsiegen.
Seine Kirche erzählt hoffentlich mit störrischer Geduld seine Geschichten weiter, die nicht
von Gewinnern, sondern von Gerechtigkeit handeln und von einer Welt, in der alle Platz
und Lebensrecht haben, weil sie kein Gegenstand des Besitzes ist.
Liebe Schwestern und Brüder, ich wünsche uns, dass wir das Maß Jesu finden und von
Herzen bejahen können.

Ich grüße Sie herzlich auch im Namen des Kirchenvorstands und der Mitarbeiter
Ihr Pfarrer Konnerth
 
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