Evangelisch - Lutherische Kirchgemeinde Treuen
St. Bartholomäus

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Besinnliches

Januar 2020
 
Liebe Leserinnen und Leser,
ein neues Jahr hat begonnen. Das Jahr 2020 nach Christi Geburt. Oder sollte ich vielleicht
besser sagen: das Jahr 2020 „unserer Zeitrechnung“, abgekürzt u.Z.? Auf diese
Formulierung stoße ich nämlich in letzter Zeit öfter. Ich finde sie in Zeitungsartikeln,
vermehrt aber auch in Büchern. Da wird der christliche Bezug bewusst vermieden.
Unsere Sprache ist immer auch ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Viele
Menschen halten den christlichen Glauben heute für erledigt. Das tun Sie sicher nicht. Bei
mir ist es auch nicht der Fall. Das heißt nicht, dass ich mir meines Glaubens immer ganz
sicher wäre. Ich habe ihn nicht in der Tasche und bin zu keinem Zeitpunkt vor Zweifeln
gefeit.
Die Jahreslosung bringt es auf den Punkt. Sie ist einer Szene aus dem Markusevangelium
entnommen und lautet: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Der nähere Zusammenhang
ist rasch erzählt. Der Vater eines an Epilepsie erkrankten Jungen bringt sein Kind zu Jesus,
weil diesem der Ruf eines Wunderheilers vorauseilt. Vielleicht, so hofft er, wird Jesus
gelingen, was auch den besten Ärzten bisher nicht gelungen ist. Vielleicht ist der Mann aus
Nazareth ja wirklich von Gott gesandt. Aber sicher ist sich der Vater nicht. Und so sagt er,
hin- und hergerissen zwischen Vertrauen und Zweifel: „Ich glaube; hilf meinem
Unglauben!“
Zweierlei finde ich an dem Vater bemerkenswert. Da ist zum einen die innige Liebe zu
seinem kranken Kind. Nichts wünscht er sehnlicher, als dass der Junge gesund wird. Wer
unter Ihnen selbst Kinder großgezogen hat, kann seinen Wunsch vermutlich gut
nachvollziehen. Aber noch etwas anderes fällt mir auf. Der Vater verbirgt gegenüber Jesus
seine Vorbehalte und Zweifel nicht. Er ist grundehrlich und zeigt seine Zerrissenheit. Diese
Ehrlichkeit wird von Jesus anerkannt. Am Ende der Geschichte ist das Kind geheilt.
Mich tröstet diese Geschichte. Denn aus ihr lerne ich: Bei Gott sind Zweifel erlaubt. Ich
muss mich vor Gott nicht stärker geben, als ich tatsächlich bin. Ich darf zu meinen Zweifeln
und meiner inneren Armut stehen, wann immer mir die Last des Lebens zu schaffen macht
und mich an meine persönlichen Grenzen bringt.
Erledigt, wie manche Zeitgenossen behaupten, ist der christliche Glaube keineswegs. Aber
einfach zu haben und zu bewahren ist er auch nicht. Der bedeutende katholische Theologe
Karl Rahner (1904–1984) hat einmal gesagt: „Glauben heißt: die Unbegreiflichkeit Gottes
ein Leben lang aushalten.“ Die Kraft dazu aber bringe ich nur dann auf, wenn ich Gott
immer wieder um Hilfe und Stärkung im Glauben bitte. Und um die Kraft bitte, ihm zu
vertrauen. Das gilt auch im neuen Jahr. Und darum begehe ich dieses Jahr ganz bewusst
als das Jahr 2020 nach Christi Geburt.
Und ich wünsche Ihnen, dass es auch für Sie persönlich ein gutes und von ihm gesegnetes
Jahr werde.
Ich grüße Sie herzlich auch im Namen des Kirchenvorstands und der Mitarbeiter
Ihr Pfarrer Konnerth
 
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